Welcher Schutzanzug schützt wovor?

Auswahlhilfe für Schutzanzüge

Egal ob schmutzig, ätzend oder radioaktiv, es gibt für jeden Job den richtigen Schutzanzug. Doch welcher ist der Richtige für Ihren Arbeitsplatz? Dieser Artikel hilft Ihnen weiter.

Schutzanzüge werden in 6 Typen unterteilt, die, teilweise, weiter in Unterklassen unterteilt werden. Jeder Kategorie beinhaltet die Schutzfunktionen der unteren Klassen, das heißt, Typ 1 erfüllt auch die Schutzfunktionen der Typen 2-6.

Zusätzlich spielen die drei Risikokategorien nach PSA Verordnung  (EU) 2016/425 eine wichtige Rolle bei der Auswahl des geeigneten Schutzanzugs.

Die 6 Typen sind wie folgt:

Schutzanzug Typ 1

gasdichte Chemikalienschutzkleidung nach EN 943-1

Typ 1 unterteilt sich in folgende Unterkategorien:

  1. 1a: “gasdichter” CS-Anzug mit einer, von der Umgebungsluft unabhängigen, Atemluftversorgung die IM Anzug getragen wird. Dabei kann es sich zum Beispiel um ein separates Atemluftgerät handeln

  1. 1b: “gasdichter” CS-Anzug mit einer, von der Umgebungsluft unabhängigen, Atemluftversorgung die AUSSERHALB des Anzugs getragen wird. Zum Beispiel ein Sauerstofftank auf dem Rücken des Trägers, die dazugehörige Maske wird über die Kapuze des Anzugs gezogen.

  1. 1c: “gasdichter” CS-Anzug mit einer Atemluftversorgung mit Überdruck, zum Beispiel durch eine externe Leitung die positiven Druck im Anzug aufbaut und die Trägerin mit Atemluft versorgt.

  1. 1-ET: Kleidung für Notfallteams (Norm DIN EN 943-2 Notfallteams)

Diese Anzügen schützen vor hochtoxischen flüssigen oder gasförmige Stoffen. Sie sind gas-, flüssigkeits-, und staubdicht.

Schutzanzug Typ 2

Nicht gasdichte Chemikalienschutzkleidung nach EN 943-1

Bei CS-Anzügen des Typs 2, handelt es sich um nicht gasdichte Schutzanzüge. Diese Anzüge werden mit einem Atemgerät getragen, welches einen positiven Luftdruck liefert. Die Anzüge des Typ 2 sind sprüh-, und staubdicht.

Schutzanzug Typ 3

Flüssigkeitsdichte Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien nach EN 14605

Schutzkleidung des Typ 3 ist flüssigkeitsdicht, das heißt sie schützt Teile des Körpers gegen flüssige Chemikalien. Die Nähte und Verschlüsse des Anzugs müssen die Anforderungen der Spritz-Prüfung nach EN 468 erfüllen.

Schutzanzug Typ 4

Spraydichte Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien nach EN 14605

Ähnlich Typ 3 mit dem Unterschied, das Nähte und Anzugverschlüsse die Anforderungen der Sprüh-Prüfung nach EN 468 erfüllen. Teile des Körpers werden vor flüssigen Chemikalien geschützt.

Schutzanzug Typ 5

Staubdichte Schutzkleidung gegen Partikel nach EN ISO 13982-1

Schutzkleidung vom Typ5 schützt Träger vor schwebenden Partikeln fester Chemikalien. Anzüge dieses Typs erfüllen die Minimum-Innenleckage Werte für staubförmige Teilchen.

Schutzanzug Typ 6

Begrenzt sprühdichte Schutzkleidung nach EN ISO 13034

Typ 6 bezieht sich zum einen auf Ganzkörper-Schutzanzüge, die gegen Sprühnebel oder flüssige Partikel, nicht jedoch gegen Flüssigkeiten schützen. Typ 6 Anzüge müssen den Anforderungen der reduzierten Sprüh-Prüfung nach EN 468 gerecht werden.

Zum anderen bezieht sich dieser Typ auf Teilkörperschutz (PB), also Kleidungsstücke die nur Teile des Körpers bedecken, aber die Mindestanforderung der reduzierten Sprühprüfung erfüllen.

Schutzkleidung dieses Typs wird bei einer möglichen Exposition mit Flüssigkeitsnebel, Flüssigkeitsaerosolen oder Flüssigkeitsspritzern eingesetzt. Absoluter Schutz vor Flüssigkeiten ist in dieser Kategorie jedoch nicht gegeben.

Was ist noch wichtig?

Die Risikokategorien nach PSA Verordnung (EU) 2016/425

Wie Anfangs erwähnt, erfordern unterschiedliche Gefährdungen unterschiedliche Maßnahmen. Dies spiegelt sich auch in der PSA-Verordnung und der Richtlinie 89/686/EWG wider. Die drei PSA-Kategorien basieren auf der zu erwartenden Verletzungsschwere, die im Notfall durch angemessene persönliche Schutzausrüstung abgewendet werden kann.

Kategorie 1

Schützt Nutzer und Nutzerinnen vor geringen Risiken.

Dazu zählt ausschließlich PSA zum Schutz vor:

  • oberflächliche mechanische Verletzungen
  • Hautkontakt mit schwach aggressiven Reinigungsmitteln
  • Hautkontakt mit heißen Oberflächen unter 50 °C
  • Schädigungen der Augen durch Sonneneinstrahlung, sowie Witterungsbedingungen, die nicht von extremer Art sind

Kategorie 2

In Kategorie 2 fällt alle PSA, die weder in Kategorie 1 oder Kategorie 3 eingeordnet werden kann. Das können Sicherheitsschuhe, Gehörschutz oder Arbeitsschutzhelme sein. Individuell angepasste PSA fällt ebenso in die Kategorie 2.

Kategorie 3

Die Kategorie 3 beinhaltet alle PSA, welche vor irreversiblen Gesundheitsschäden und schwerwiegenden Folgen, wie z.B. Tod, schützen. Im Anhang I der PSA Verordnung werden explizit folgende Risiken genannt:

  • gesundheitsgefährdende Stoffe und Gemische,
  • Atmosphären mit Sauerstoffmangel
  • schädliche biologische Agenzien
  • ionisierende Strahlung,
  • warme Umgebung, mit vergleichbaren Auswirkungen wie bei einer Lufttemperatur von 100 °C oder mehr,
  • kalte Umgebung, mit vergleichbaren Auswirkungen wie bei einer Lufttemperatur von -50 °C oder weniger,
  • Stürze aus der Höhe,
  • Stromschlag und Arbeit an unter Spannung stehenden Teilen,
  • Ertrinken,
  • Schnittverletzungen durch handgeführte Kettensägen
  • Hochdruckstrahl
  • Verletzungen durch Projektile oder Messerstiche,
  • schädlicher Lärm

Wann kann ich auf Schutzmaßnahmen verzichten?

Die nötigen Schutzmaßnahmen für Ihren Arbeitsplatz, Tätigkeit oder Ihre Maschine werden in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt. Dies umfasst auch den Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung. Ist in der Gefährdungsbeurteilung keine PSA aufgeführt, ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet sie bereitzustellen. Andere Arbeitskleidung die nicht primär dem Schutz des Trägers dient, ist davon ausgenommen.

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